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Erfahrungsbericht 5 Die Welt ist noch in Ordnung
solange das Kind bei Mutter und Vater ist, solange es Eltern hat, die alle
Fragen beantworten, stundenlang Bücher anschauen, das Kind bei allen Tätigkeiten
teilhaben und es sein Tempo bestimmen lässt. Spielgruppe und andere Aktivitäten
gehen meist „in die Hose“, doch im Vorkindergartenalter braucht man dies ja
nicht unbedingt. So wachsen Eltern und Kinder
unter einer Glocke auf, die noch Geborgenheit vermittelt. Sie haben sich ja
selbst. Irgendwann kommt
der große Tag des Eintritts in den Kindergarten. Das Kind freut sich!
"Juhu!“ Endlich dazu lernen, vielleicht auch Freunde gewinnen! Anfangs
geht es ja noch ganz gut. Neue Eindrücke sind interessant, das Kind kann viel
beobachten und seinen Horizont erweitern. Das mit den Freunden klappt meist
nicht so toll, doch das Kind stört sich weniger daran, wie die Erwachsenen. Es
hat seine eigene riesengroße Gedankenwelt und Beobachten macht Spaß. Schlimm
wird es, wenn die Erzieher Aktionismus einfordern. Wenn das Kind an Spielen
teilnehmen muss, die es nicht versteht, weil sie in seinen Augen sinnlos sind.
Meist sind das die typischen "Highlights" der anderen Kinder. Das dritte Kindergartenjahr ist
meist mit Langeweile gekoppelt, alle Spiele sind gespielt, der Ablauf des
Kindergartens intus, das Kind mag nicht mehr malen, singen und spielen.
Herumtoben ist das Einzige, was noch einigermaßen Spaß macht. Das Kind sehnt sich nach
Neuem. Das Kind sehnt sich nach geistigen Herausforderungen, die es in der
Schule vermutet. Spätestens nach einer
Schulwoche ist das Kind etwas enttäuscht, denn statt Wissensvermittlung muss es
wieder malen und singen und spielen. Da beginnt es sich zu fragen, warum es denn
in die Schule muss? Wurde ihm doch versprochen, es darf nun lernen! Stattdessen
wieder Kindergartenkleinkram. Je nach Temperament und
Veranlagung fügt es sich in dieses System. Entweder zeigt es offensichtlich,
dass es mehr kann als die anderen, oder es kriecht sich in sich hinein, beginnt
mit den Gedanken abzuschweifen und bringt seinen Geist an Orte, an denen es sein
möchte. Es lässt nur die körperliche Hülle in der Schule sitzen, oder aber
es rebelliert offensichtlich, es wird aggressiv gegen Lehrer und Mitschüler,
autoaggressiv gegen sich selbst. Die Varianten sind vielfältig und sie
werden meistens missgedeutet. Kommt es dann doch auf das
Gymnasium, wo es dann endlich zeigen dürfte, was es kann, muss man es erst
behut- und mühsam aus dem Dornröschenschlaf wecken. Ob und wie es jemals
aufwacht? |