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Warum sprudelt Sprudel

Vorlesung "Warum sprudelt Sprudel?" an der Kinder-Uni Hohenheim

 

Als wir in den Hörsaal B1 der Hohenheimer Universität kamen, besetzten wir uns
gleich einen Platz ganz vorne. Immerhin ging es heute um das Thema "Warum
sprudelt Sprudel". Und da eine Dreiviertelstunde Vortrag über dieses Thema kein
Mensch (und vor allem nicht die anwesenden sechs- bis siebenjährigen Kinder)
ausgehalten hätte, sollte es an Versuchen auch nicht fehlen. Mit Vorlesungsschein,
Studentenausweis und nicht zuletzt manche auch mit Block zum
Mitschreiben ausgerüstet, fühlten wir uns fast wie richtige Studenten. Das
Besondere an dieser Vorlesung war, dass sie nur für Kinder reserviert war.
Eltern durften höchstens im Hörsaal nebenan das Geschehen über Videoleinwand
verfolgen.

Um 17 Uhr kam dann ein Mann nach vorne und erklärte, dass die Vorlesung erst um
17 Uhr c. t. (das heißt cum tempore, mit Zeit), also erst um 17:15 Uhr anfangen
würde und andere nützliche Sachen, so dass es dann auch 17:15 Uhr wurde, bis ein
Mann nach vorne trat und uns erklärte, er sei Prof. Dr. Peter Menzel. Er rief
zunächst fünf Zuschauer als Assistenten nach vorne und dann ging es los.

Zuerst steckte er eine Spritze in eine Sprudelflasche und saugte ein bisschen
Luft ab. Der Sprudel sprudelte mehr. Als er die Luft wieder dazudrückte,
sprudelte er weniger.

Als zweites durfte eine Assistentin im weißen Kittel und mit Schutzbrille in
drei Gläser voll Sprudel ein bisschen Zucker, Salz und Sand hineingeben. Bei
allen drei Gläsern sprudelte der Sprudel mehr. Als in ein viertes Glas noch zwei
Trinkhalme hineingegeben wurden, stiegen diese im Glas auf und wurden mit
Sprudelperlen bedeckt. In ein fünftes Glas gab die Assistentin
zwei Weintrauben, die immer auf und ab stiegen, auf und ab... Das gab natürlich
Beifall seitens der Zuhörer (bzw. Trommeln auf die Tische.)

Jetzt schaltete Herr Menzel die Anzeige an der Leinwand auf seinen Laptop um.
Jetzt wurde angezeigt (sozusagen als Fazit), dass Sprudel mehr sprudelt, wenn
Druck weggenommen wird oder Keime dazu gegeben werden und dass das das
Kohlendioxyd im Sprudel auslöst.

Durch einen weiteren Versuch wies er das Kohlendioxyd auch nach: Er verband eine
Sprudelflasche durch einen Schlauch mit einem Glas voll Zementwasser: Das
Zementwasser trübte sich und sprudelte auch ein bisschen. Das gleiche machte er
auch mit einer Flasche Cola und einer Flasche echtem Hohenheimer Sekt. Bei
diesem lief die Flasche (als Herr Menzel sie in der Hand hielt und mal nicht
hinguckte) sogar über, was natürlich mit Gelächter und Trommeln quittiert wurde.

Danach machte er Sprudel in der Sprudelmaschine und ließ einen Zuschauer kosten
("Schmeckt... normal!"), und sagte, dass der Sprudel in der Sprudelmaschine
einfach durch Hinzufügen von Kohlendioxyd gemacht wird.

Dann machte er noch einen Versuch mit "Knalleffekt": Er gab den fünf Assistenten
je eine Brausetablettenröhre in die Hand, in die Wasser gefüllt wurde und eine
halbe Brausetablette hineingegeben wurde. Der Deckel wurde draufgemacht und in
fieberhafter Spannung warteten wir. Da plötzlich: Plopp! -- flog ein Deckel ab.
Plopp! -- der nächste. Plopp, Plopp! -- die nächsten... ...Plopp! -- der letzte
Deckel sprang ab. Begeistertes Klopfen!

Als nächstes machte Herr Menzel noch einen Versuch. Er stellte eine Kerze in ein
Glas, zündete sie an und goss etwas Luft aus einem anderen Glas darüber.
Natürlich geschah nichts. Als nächstes jedoch mixte er in einem dritten Glas
Backpulver und Essig und goss die Luft aus diesem Glas über das Glas mit der
Kerze. Und: die Kerze ging aus. Herr Menzel erklärte, dies komme von dem
Kohlendioxyd, das sich im Glas gebildet hätte und bewies dies auch gleich: Er
goss die restliche Luft über ein Glas Zementwasser, das sich sofort trübte.

Danach wurde ein Wagen herbeigeschoben, auf dem eine flache Schale mit Sand
stand. Herr Menzel goss Benzin über den Sand und zündete es an. Wir kamen
allerdings nur kurz in den Genuss, das Feuer brennen zu sehen, denn Herr Menzel
löschte es sofort mit einem Feuerlöscher und erklärte, dass der auch mit
Kohlendioxyd funktioniere.

Nun zeigte er uns sogenanntes Trockeneis: Das ist Kohlendioxyd, das auf -78 °C
gekühlt wurde. Im Gegensatz zu Wassereis bleibt es trocken, wenn man es an die
Luft legt.

Dann warf er ein Stück Trockeneis in einen Zylinder mit Wasser-Rotkohl-Gemisch.
Das Wasser färbte sich sofort lila und dampfte (Dieses wunderschöne Bild kam
dann übrigens in der Stuttgarter Zeitung).

Als letztes wollte Herr Menzel Trockeneis anzünden. Er hielt also ein brennendes
Streichholz daran -- nichts passierte. Herr Menzel hatte aber in die Mitte des
Trockeneisklotzes eine kleine Vertiefung gemacht und dort hinein schüttete er
etwas Magnesiumpulver. Er zündete es an und nach ein paar Fehlversuchen klappte
es. Er stellte noch einen anderen Trockeneisklotz darauf und das Trockeneis
sprühte Funken und leuchtete in den schönsten Farben -- ein toller Anblick! (Für
Interessierte: Das Magnesium reagiert dabei mit dem Kohlendioxid - aus dem
Trockeneis ja besteht - und verwandelt sich dabei in Magnesiumoxyd. Die Funken
sind in der Luft verbrennende Magnesiumteilchen. Der Sauerstoff kommt dabei aus
dem Kohlendioxid, das in Kohlenstoff umgewandelt wird.

Ich denke, dass die Professoren Hutter und Menzel sich die Vorlesungen ganz toll
ausgedacht haben und rate allen, die dabei waren und allen, die nicht dabei
waren, im Winter wiederzukommen -- da gibt es nämlich noch einmal vier
Vorlesungen.


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